Selektive interne Radiotherapie (SIRT)
Frage und Antwort
- Was ist die SIRT-Therapie?
- Bei welchen Krebsformen kann SIRT angewendet werden?
- Wann ist SIRT sinnvoll?
- Wozu dient eine SIRT-Therapie?
- Wie wird der Patient für SIRT vorbereitet?
- Was geschieht bei der eigentlichen SIRT-Therapie?
- Was sind die Nebenwirkungen von SIRT?
- Kann die SIRT wiederholt werden?
- Wie erfolgt die Indikationsstellung für die SIRT?
- Warum ist die interdisziplinäre Entscheidungsfindung so wichtig?
Die selektive interne Radiotherapie ist eine innovative Behandlungsmethode, die bei fortgeschrittenen lebereigenen Tumoren (primäre Lebertumoren) oder Tochterabsiedelungen (Metastasen - sekundäre Lebertumoren) eingesetzt werden kann. Im Gegensatz zur herkömmlichen Bestrahlung werden die Krebszellen bei der SIRT nicht von außen, sondern von innen bestrahlt. Somit können die radioaktiven Teilchen dann direkt vor Ort ihre gesamte Wirkung entfalten. Dazu werden die radioaktiven Teilchen (90Yttrium ) an winzige Glaskügelchen mit einer Größe von 20 - 30 Mikrometer gekoppelt und mittels eines dünnen Katheters über eine Arterie direkt in die Leber injiziert. 90Yttrium ist ein radioaktives chemisches Element (Isotop), welches Betastrahlen aussendet. Die Halbwertszeit beträgt 64,2 Stunden. Die Strahlung durchdringt durchschnittlich Weichgewebe bis 2,5 mm und hat eine maximale Reichweite von 10 mm.

Bei welchen Krebsformen kann SIRT angewendet werden?
Laut aktuellem Stand sind die Hauptindikationen für diese innovative Therapieform folgende Erkrankungen:
- das hepatozelluläre Karzinom (Haupteinsatzgebiet);
- Lebermetastasen bei kolorektalem Karzinom;
- Lebermetastasen bei Mammakarzinom;
- Metastatische Absiedelungen in der Leber bei neuroendokrinen Tumoren.
Diese Form der Radiotherapie empfiehlt sich, wenn die Lebererkankung trotz Ausschöpfung der klassischen und anerkannten Methoden weiter voranschreitet.
Wozu dient eine SIRT-Therapie?
Gerade der primäre Leberkrebs wird häufig erst spät erkannt, da er erst spät Beschwerden verursacht. Häufig kann dann als kurative Behandlung die chirurgische Resektion und die Lebertransplantation nicht mehr durchgeführt werden, da nur ein kleiner Teil der Patienten die Kriterien erfüllt, die für eine Transplantation oder Resektion erforderlich sind.
Das moderne Verfahren der SIRT eröffnet hier neue Chancen für die betroffenen Patienten. Einerseits besteht nun die attraktive Möglichkeit, dieses Verfahren für ein so genanntes „Downstaging“ der Patienten einzusetzen. Das bedeutet, die SIRT wird dazu eingesetzt, das Tumorwachstum zu stoppen bzw. darüber hinaus noch eine Verkleinerung der Tumorlast herbeizuführen, um Patienten im fortgeschrittenen Stadium einer Transplantation bzw. weiteren Behandlungsoptionen wie z.B. der chirurgischen Resektion, oder der Radiofrequenzablation zuzuführen.
Ein weiteres Einsatzgebiet ist das so genannte „bridging“, d.h. die Überbrückung der Wartezeit bis zur Lebertransplantation, die Monate, manchmal auch länger als ein Jahr dauern kann. Hierbei besteht das therapeutische Bestreben darin, das Tumorwachstum soweit einzudämmen, daß die Kriterien für die Transplantation auch über die oft lange Wartezeit eingehalten werden kann.
Wie wird der Patient für SIRT vorbereitet?
Vor der Therapie sind bei jedem Patienten, falls sie noch nicht vorliegen, verschiedene bildgebende Verfahren notwendig, um die genaue Ausdehnung der Erkrankung zu bestimmen und die Eignung für die Behandlung festzustellen. So sollte die Tumorlast der Leber 70% nicht überschreiten. Eine weitere Kontraindikation für die Behandlungsmethode stellen ausgedehnte Tumormanifestationen außerhalb der Leber dar, da die Methode außerhalb der Leber keine Wirkung erzielt. Um für das Behandlungsverfahren geeignet zu sein, müssen zudem eine Reihe von Laborparametern und klinischen Voraussetzungen erfüllt sein.
Die Indikation zur Therapie wird interdisziplinär (Tumorboard) gestellt.
Wenn die Voraussetzungen für die Therapie erfüllt sind, erfolgt die sogenannte Evaluation. Dazu wird eine angiographische Darstellung der Leber und ihrer versorgenden Arterien durchgeführt, wobei der Zugang zum arteriellen Gefäßssystem über eine Punktion in der Leistenregion in lokaler Betäubung erfolgt.
In dieser Sitzung werden gegebenenfalls auch kleine Äste mit verschiedenen interventionellen Methoden verschlossen, um eine Verteilung der radioaktiven Kügelchen außerhalb der Leber einzudämmen. Mittels eines dünnen Plastikschlauches (Katheter) wird danach schwach strahlendes 99mTC-MAA an derselben Position wie bei der eigentlichen Therapie injiziert. 99mTC-MAA hat ähnliche Eigenschaften wie die zur Therapie verwendeten Glaskügelchen. Hiermit wird die Verteilung der Kügelchen in der Leber und im Körper simuliert. Direkt anschließend wird an der Klinik für Nuklearmedizin eine bildgebende Untersuchung durchgeführt (SPECT-CT) und ausgewertet. Hierbei wird festgestellt, ob, und in welchem Umfang es zu einer Verteilung außerhalb der Leber kommt. Wenn dieser Anteil zu groß ist, darf die Behandlung nicht durchgeführt werden.
Was geschieht bei der eigentlichen SIRT-Therapie?
Wenn sich in der Evaluation zeigt, dass alle Voraussetzungen erfüllt sind, wird bei der eigentlichen Radiotherapie an Glaskügelchen gekoppeltes 90Yttrium an derselben Position wie in der vorausgegangenen Sitzung injiziert.
Diese Kügelchen sammeln sich in den Gefäßen des Tumors und geben dort im Körperinneren gezielt ihre Strahlung ab.
Was sind die Nebenwirkungen von SIRT?
Insgesamt stellt die Radiochemoembolisation bei adäquater Patientenvorbereitung und Sorgfalt eine relativ nebenwirkungs- und komplikationsarme Methode dar. Kurzzeitig können Oberbauchschmerzen, Druckgefühl, Übelkeit und Erbrechen auftreten, die jedoch mit Medikamenten gut beherrschbar sind. Seltener können Fieber und Schüttelfrost auftreten. Auch kann für einige Wochen Müdigkeit und Appetitlosigkeit bestehen. Selten können schwerwiegende Nebenwirkungen wie Gallenblasenentzündung, Leberversagen oder eine Schädigung von anderen Organen wie Lunge, Magen oder Darm auftreten.
Kann die SIRT wiederholt werden?
Die SIRT kann grundsätzlich mehrfach wiederholt werden. Die Indikationsstellung hierzu ist jedoch sehr stark von der individuellen Situation des Patienten abhängig. In jedem Fall muss eine erneute Evaluation erfolgen.
Wie erfolgt die Indikationsstellung für die SIRT?
Die Indikationsstellung für die SIRT erfolgt am Universitätsklinikum Jena durch das zertifizierte interdisziplinäre Tumorboard. Hier wird interdisziplinär der individuelle Patientenfall vorgestellt und alle Therapieoptionen besprochen. Erst durch ein Votum des Tumorboards erfolgt die Evaluation für die SIRT.
Warum ist die interdisziplinäre Entscheidungsfindung so wichtig?
Bei der SIRT-Therapie ist eine Vielzahl von Fachabteilungen beteiligt. Die technische Durchführung erfolgt durch die Radiologie gemeinsam mit der Nuklearmedizin.
Fallbeispiel
Einem Leberkarzinompatienten des UKJs werden radioaktive Kügelchen mittels eines dünnen Katheters über eine Arterie direkt in die Leber injiziert.

Die radioaktiven Teilchen (90Yttrium ) in Form von winzige Glaskügelchen mit einer Größe von 20 - 30 Mikrometer werden hier für die Therapie vorbereitet.
